Freitag, 20. Februar 2015

Bösensell



Fakten: Das Örtchen haben wir auf dem Weg im Zug nach Münster entdeckt. Es ist ein Teil der Gemeinde Senden im Kreis Coesfeld mit sage und schreibe 2943 Einwohnern.



Die Geschichte:
Aus dem Zug ausgestiegen, schlug uns erst mal eine mächtige Kuh-Kacke-Geruchswolke entgegen und als Landkinder, die wir im Herzen sind, nahmen wir erst mal eine kräftige Nase und liefen voller Überzeugung direkt in die falsche Richtung. Zu unserer Verteidigung: es sah auf beiden Seiten des Bahnhofs irgendwie unbewohnt aus. Industriegebiet. Und was für eine Industrie. Schweineerzeuger. Böse Menschen die mit Tieren handeln in Bösensell.

Als wir dann irgendwann später auch mal auf dem richtigen Weg waren, hielten wir uns an eine alte Regel. Kirchen bildeten im Mittelalter häufig den Mittelpunkt der Stadt. Folglich müsste an der Pfarrkirche St. Johannes Baptist irgendwas tolles zu finden sein. Dachten wir. Irrten wir. Die Kirche ist durchaus schön anzusehen aber nun ja, alles drum herum war irgendwie.. fad. Kaum eine Menschenseele auf der Straße und die drei „Geschäfte“ (Kneipen) hatten noch oder wieder zu. Macht nichts, dachten wir, gucken wir uns doch das denkmalgeschützte Haus Alvinghof an. Nach einem Fußmarsch, der im Sommer erträglicher gewesen wäre, lernten wir eine wichtige Lektion. Spontaneität ist nicht gerade eine Stärke der Bösenseller. Möchte man sich nämlich die einzige Sache anschauen, die nur im entferntesten den Charakter einer Touristenattraktion hat, muss man sich vorher anmelden, um das Haus von außen, auf keinen Fall aber von innen zu betrachten. Schade. Ganz umsonst gewandert. Nehmen wir doch einfach den Bus zurück zum Bahnhof, dachten wir. Irrten wir wieder. Einmal am Tag fährt der Bus von dort. Um 7 Uhr morgens. Marl, du meine geliebte Heimatstadt, was habe ich dich verflucht für dein Liniennetz, doch im Vergleich zu Bösensell bist du echt der Hammer.
So langsam schmerzten die Füße, der Bus, der von einer entfernteren Stelle fahren sollte, kam erst in einer halben Stunde und wir haben die weit und breit einzige Fressbude gefunden. Pizza mit komischen Käse, komischen Pizzabrötchen und leckerer Knoblauchsauce. Nachdem wir gegessen und gefroren hatten (denn in der Pizzeria konnte man irgendwie nicht sitzen), kam der scheinbar einzige Busfahrer von Bösensell, den wir schon zum dritten Mal an dem Tag sahen und brachte uns wohlbehalten zum Bahnhof zurück. Es war, als ob die Bahn uns für diesen Reinfall entschädigen wollte. Sie kam nämlich pünktlich. Und wir sind endlich wieder heim gefahren.

Welche Käffer NRWs sollen wir als nächstes für euch erkundigen? Schreibt uns einfach einen Kommentar und wir machen uns für euch auf die Socken!






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