Fakten: Das Örtchen haben wir auf dem
Weg im Zug nach Münster entdeckt. Es ist ein Teil der Gemeinde Senden
im Kreis Coesfeld mit sage und schreibe 2943 Einwohnern.
Die Geschichte:
Aus dem Zug ausgestiegen, schlug uns erst mal
eine mächtige Kuh-Kacke-Geruchswolke entgegen und als Landkinder, die
wir im Herzen sind, nahmen wir erst mal eine kräftige Nase und liefen
voller Überzeugung direkt in die falsche Richtung. Zu unserer
Verteidigung: es sah auf beiden Seiten des Bahnhofs irgendwie unbewohnt
aus. Industriegebiet. Und was für eine Industrie. Schweineerzeuger. Böse
Menschen die mit Tieren handeln in Bösensell.
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Als wir dann
irgendwann später auch mal auf dem richtigen Weg waren, hielten wir uns
an eine alte Regel. Kirchen bildeten im Mittelalter häufig den
Mittelpunkt der Stadt. Folglich müsste an der Pfarrkirche St. Johannes
Baptist irgendwas tolles zu finden sein. Dachten wir. Irrten wir. Die
Kirche ist durchaus schön anzusehen aber nun ja, alles drum herum war
irgendwie.. fad. Kaum eine Menschenseele auf der Straße und die drei
„Geschäfte“ (Kneipen) hatten noch oder wieder zu. Macht nichts, dachten
wir, gucken wir uns doch das denkmalgeschützte Haus Alvinghof an. Nach
einem Fußmarsch, der im Sommer erträglicher gewesen wäre, lernten wir
eine wichtige Lektion. Spontaneität ist nicht gerade eine Stärke der
Bösenseller. Möchte man sich nämlich die einzige Sache anschauen, die
nur im entferntesten den Charakter einer Touristenattraktion hat, muss
man sich vorher anmelden, um das Haus von außen, auf keinen Fall aber
von innen zu betrachten. Schade. Ganz umsonst gewandert. Nehmen wir doch
einfach den Bus zurück zum Bahnhof, dachten wir. Irrten wir wieder.
Einmal am Tag fährt der Bus von dort. Um 7 Uhr morgens. Marl, du meine
geliebte Heimatstadt, was habe ich dich verflucht für dein Liniennetz,
doch im Vergleich zu Bösensell bist du echt der Hammer.
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So langsam
schmerzten die Füße, der Bus, der von einer entfernteren Stelle fahren
sollte, kam erst in einer halben Stunde und wir haben die weit und breit
einzige Fressbude gefunden. Pizza mit komischen Käse, komischen
Pizzabrötchen und leckerer Knoblauchsauce. Nachdem wir gegessen und
gefroren hatten (denn in der Pizzeria konnte man irgendwie nicht
sitzen), kam der scheinbar einzige Busfahrer von Bösensell, den wir
schon zum dritten Mal an dem Tag sahen und brachte uns wohlbehalten zum
Bahnhof zurück. Es war, als ob die Bahn uns für diesen Reinfall
entschädigen wollte. Sie kam nämlich pünktlich. Und wir sind endlich wieder heim gefahren.
Welche Käffer NRWs sollen wir als nächstes für euch erkundigen? Schreibt uns einfach einen Kommentar und wir machen uns für euch auf die Socken!
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